The Problem With Designing for Everyone
Muss gutes Design möglichst vielen Menschen gefallen? Oder beginnt starke Gestaltung genau dort, wo sie aufhört, sich nach der Masse zu richten? Dieser Beitrag untersucht den Unterschied zwischen Gefallen und Resonanz und die Frage, warum aus einer sehr persönlichen Idee etwas entstehen kann, das plötzlich viele Menschen berührt.
9/18/20262 min read
Was entsteht, wenn ein Objekt allen gefallen soll?
Etwas, das möglichst wenig aneckt.
Eine Form, die vertraut wirkt.
Eine Farbe, die niemanden abschreckt.
Eine Idee, die genügend Menschen verstehen können.
Es ist angenehm.
Es passt.
Doch genau das kann zum Problem werden.
Denn was für möglichst viele funktionieren soll, bewegt sich schnell in Richtung Mitte. Zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Zu dem, was bekannt genug ist, um niemanden zu irritieren, und gefällig genug, um möglichst viele abzuholen.
Nur liegt die Mitte selten dort, wo etwas beginnt, uns wirklich zu berühren.
Wir verlieben uns nicht in Dinge, weil sie allen gefallen.
Wir verlieben uns in Dinge, weil sie etwas in uns auslösen.
Eine Form. Eine Farbe. Eine Idee.
Etwas, das wir nicht unbedingt erklären können, aber erkennen.
Als hätten wir diese Sprache schon einmal gesprochen.
Hier beginnt der Unterschied zwischen Gefallen und Resonanz.
Gefallen fragt:
Ist das schön?
Resonanz fragt:
Warum fühlt sich das nach mir an?
Ein gutes Objekt muss deshalb nicht möglichst vielen Menschen etwas sagen.
Es muss eine eigene Stimme haben.
Eine Sprache, die nicht jeder verstehen muss, um für jemanden unmittelbar verständlich zu sein.
Und genau das macht Design spannend und geheimnisvoll.
Denn der Designer kann nicht wissen, wer sich später von einer Idee angesprochen fühlen wird. Er kann eine Zielgruppe definieren, Bedürfnisse analysieren, Trends beobachten. Er kann versuchen, möglichst genau vorherzusagen, was Menschen wollen…
Oder er kann gestalten.
Aus einer Intuition heraus.
Aus einer Vorstellung, die keine Begründung braucht.
Aus einer Idee, die zunächst nur im eigenen Kopf existiert.
Ohne Marktforschung, die ihr die Richtung vorgibt.
Ohne Statistik, die entscheidet, welche Form akzeptabler wäre.
Ohne den ständigen Gedanken:
Kommt das gut an?
Denn in dem Moment, in dem die mögliche Reaktion des Publikums zum Massstab wird, verändert sich die Kreation.
Man beginnt zu korrigieren, bevor überhaupt etwas entstehen durfte.
Man glättet Ecken.
Reduziert Eigenheiten.
Macht etwas zugänglicher.
Bis von der ursprünglichen Idee gerade so viel übrig bleibt, dass sie niemanden mehr stört.
Das Faszinierende ist, dass das Gegenteil ebenfalls passieren kann.
Eine Kreation, die aus einem sehr persönlichen Gedanken heraus entsteht, kann plötzlich Menschen erreichen, für die sie nie geplant war.
Nicht weil sie allgemein gehalten wurde.
Sondern weil etwas zutiefst Persönliches etwas berührt, das viele Menschen in sich tragen.
Eine Sehnsucht.
Eine Erinnerung.
Eine Haltung.
Eine Frage, für die ihnen bisher die Worte fehlten.
Auch die Geschichte des Designs kennt solche Verschiebungen.
Die Jeans war Arbeitskleidung für Bergarbeiter und andere Arbeiter. Heute ist sie beinahe überall angekommen. Ihr ursprünglicher Zweck hat sich verändert. Ihre Bedeutung ebenfalls.
Ein Objekt kann seine Bestimmung überwinden.
Es kann von anderen Menschen neu gelesen, neu getragen, neu interpretiert werden.
Vielleicht liegt darin eine der grossartigsten Eigenschaften von Gestaltung:
Man kann nie vollständig bestimmen, was ein Objekt für andere bedeuten wird.
Für mich beginnt Design deshalb nicht bei der Frage, was Menschen kaufen wollen.
Es beginnt bei der Frage, was aus einer Idee werden kann.
Meine Taschen und Möbel entstehen aus meinen abstrakten Kunstwerken und aus meinen philosophischen Büchern.
Gedanken werden zu Formen.
Farben verlassen die Leinwand.
Fragen werden zu Objekten.
Warum sollte Kunst an einer Wand enden?
Warum sollte ein philosophischer Gedanke zwischen zwei Buchdeckeln bleiben?
Ein Objekt kann mehr tragen als seine Funktion.
Das ist der Grund, weshalb ich nicht versuche, für alle zu gestalten.
Nicht weil ich jemanden ausschliessen möchte.
Sondern weil ich glaube, dass eine Kreation ihre eigene Sprache braucht, bevor jemand anderes sie verstehen kann.
NOT JUST STYLE. A STATEMENT.
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