Are We Still Allowed to Want Beautiful Things?
Zwischen Nachhaltigkeit, Verantwortung und bewussterem Konsum scheint selbst Schönheit inzwischen eine Erklärung zu brauchen. Aber was passiert, wenn wir wieder zulassen, Dinge einfach zu begehren, weil sie uns gefallen?
9/4/20262 min read
In unserer heutigen Gesellschaft steht die moralische Rechtfertigung fast über allem.
Und manchmal frage ich mich: Wo bleibt da eigentlich das Gefühl?
Wir wollen wissen, wo etwas herkommt, wie es hergestellt wurde, unter welchen Bedingungen, aus welchem Material, von wem, mit welchem ökologischen Fussabdruck und wohin es am Ende geht. Alles vollkommen berechtigte Fragen. Ich hinterfrage selbst sehr gerne.
Aber irgendwann haben wir so viel hinterfragt, dass nur noch der Verstand übrig bleibt.
Und das Herz sitzt daneben und wartet.
Wieso reicht Luxus oder Schönheit alleine heute nicht mehr aus? Warum muss sich ein schöner Gegenstand inzwischen beinahe vor Gericht verantworten, bevor wir ihn begehren dürfen?
„Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten.“
Oscar Wilde hätte für unsere Zeit vermutlich einiges zu sagen.
Denn wann haben wir eigentlich beschlossen, dass etwas nur dann wertvoll sein darf, wenn wir seinen Nutzen erklären können?
Ein Stuhl muss ergonomisch sein. Eine Tasche muss praktisch sein. Kleidung muss nachhaltig sein. Ein Raum muss funktional sein. Alles soll einen Zweck erfüllen, eine Haltung zeigen, eine gesellschaftliche Verantwortung tragen.
Und natürlich ist es richtig, auf gewisse Dinge zu achten.
Aber gerade in Mode und Design wünsche ich mir manchmal etwas mehr Leichtigkeit.
Nicht alles muss eine moralische Abhandlung sein.
Man darf etwas schön finden.
Man darf etwas begehren, weil die Form einen berührt. Weil das Material sich gut anfühlt. Weil ein Gegenstand eine bestimmte Stimmung erzeugt. Weil man ihn ansieht und denkt: Den möchte ich haben.
Einfach so.
Ist das wirklich so verwerflich?
Ich glaube nicht.
Denn Mode, Kunst und Design leben nicht allein von Funktion. Sie leben von Emotion. Von Verführung. Von Fantasie. Von dem kleinen irrationalen Moment, in dem unser Verstand noch keine Excel-Tabelle erstellt hat und unser Gefühl längst entschieden hat.
Und genau darin liegt doch ein Teil dessen, was uns menschlich macht.
Auch bewusster Genuss gehört für mich dazu. Damit meine ich keine römische Völlerei, sondern die Fähigkeit, sich an etwas zu erfreuen, ohne sofort nach seiner Legitimation zu fragen.
Ein schönes Objekt kann Freude machen.
Ein gutes Material kann Freude machen.
Eine aussergewöhnliche Tasche kann Freude machen.
Und Freude ist nicht automatisch oberflächlich.
Im Gegenteil: Bewusst etwas zu geniessen, das man schön findet, kann eine Form von Selfcare sein.
Was mir zunehmend schwerfällt, ist dieses permanente Gefühl, für alles verantwortlich sein zu müssen.
Als müssten wir jede unserer Entscheidungen vor einem imaginären Tribunal rechtfertigen.
Das ist nicht nur anstrengend. Ich finde es manchmal sogar ein wenig überheblich. Als müssten wir uns selbst ständig beweisen, dass wir moralisch korrekt konsumieren, leben, gestalten und geniessen.
Aber das Leben ist kein Nachhaltigkeitsbericht.
Wir dürfen auch einfach einmal etwas wollen.
Etwas Schönes.
Etwas Überflüssiges.
Etwas, das keinen anderen Zweck erfüllt, als uns Freude zu bereiten.
Denn vielleicht liegt gerade darin eine Form von Freiheit:
Nicht rechtfertigen zu müssen, wieso man etwas liebt.
NOT JUST STYLE. A STATEMENT.
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